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Molekularbiologische Differenzierung wichtiger Pathotypen von Streptococcus suis

 

Streptococcus (S.) suis ist einer der wichtigsten Krankheitserreger in der modernen Schweinehaltung. Wichtige Manifestationen sind Meningitis, Arthritis, Serositis und Endocarditis. Häufig kommt es auch unter sehr guten hygienischen Bedingungen zu Bestandsproblemen mit diesem Erreger. An dem Krankheitsgeschehen sind unterschiedliche Genotypen von S. suis beteiligt. In Europa spielen mrp+ epf+ sly+ cps2 sowie mrp+ epf* sly+ cps2 und mrp* epf- sly+ cps9 Stämme als Erreger von Bestandsproblemen eine große Rolle (Silva et al. 2006, Vet. Micro; Wisselink et al. 2002, J. Clin. Microbiol.; Baums et al. 2010, Clin. Vaccine Immunol.). Zwischen betroffenen Beständen gibt es erhebliche Unterschiede in Bezug auf die Anzahl und  Ausstattung der Genotypen, die sich an dem Krankheitsgeschehen beteiligen.  Leider gibt es in Deutschland bzw. in Europa immer noch keinen Impfstoff mit einer nationalen bzw. internationalen Zulassung. Der Einsatz von stallspezifischen Ganzzellimpfstoffen zur Prophylaxe von S.-suis-Erkrankungen ist weit verbreitet. Grundsätzlich variiert der Erfolg, der mit stallspezifischen S.-suis-Impfstoffen erzielt wird, erheblich.  In wissenschaftlichen Untersuchungen konnte der Institutsleiter zeigen, dass Ganzzellvakzinen der genannten cps2 und cps9 Genotypen sich in ihrer protektiven Wirkung unterscheiden. Diese experimentellen Ergebnisse stehen im Einklang mit den Ergebnissen anderer Gruppen sowie mit den Erfahrungen praktizierender Tierärzte (Baums et al., 2009, Clin. Vaccine Immunol.; Büttner et al. 2012, Vet. Immun. Immunopathol.; Dekker et al., 2012, Vaccine; Wisselink et al. 2001; Vet. Rec.). Mit der molekularen Differenzierung von S. suis kann abgeklärt werden, wie viele und welche Genotypen sich an einem Bestandsproblem beteiligen. Auf dieser Grundlage kann in vielen Fällen eine bessere Einschätzung zur protektiven Wirkung und ggf. auch zur Auswahl der Stämme für den stallspezifischen Impfstoff vorgenommen werden. Unabhängig von der molekularen Typisierung ist es grundsätzlich wichtig, Probenmaterial vom Ort der Entzündung zu gewinnen. Geeignetes Probenmaterial für kulturelle Untersuchung auf S. suis ist beispielsweise im Fall einer Meningitis Gehirnflüssigkeit oder bei einer Septikämie heparinisiertes Blut (kein EDTA!). Folgende Gene bzw. Genloci werden in unserer PCR gestützten Differenzierung erfasst: mrp, epf, sly, arcA, gdh, cps1, cps2, cps7 und cps9. Als Besonderheit beinhaltet das diagnostische Angebot unseres Instituts in Ergänzung zur MP-PCR Untersuchungen auf epf* für cps2 Stämme. Dies ist wichtig, da in allen bekannten MP-PCRs epf* Gene nicht erkannt werden, so dass diese häufig falsch negativ diagnostiziert werden (Silva et al. 2006, Vet. Micro; Wisselink et al. 2002, J. Clin. Microbiol).  Dabei ist zu berücksichtigen, dass Serotyp 2 (cps2) Stämme mit einem epf* Genotyp sich in der Virulenz von epf- Stämmen erheblich unterscheiden (Vecht et al. 1992, Infect. Immun.; Smith et al. 1993, Infect. Immun.). Die molekularbiologische Differenzierung von S. suis kostet 20 Euro (sowohl für ein eingeschicktes Isolat als auch für die weitere Differenzierung im Rahmen einer kulturellen Untersuchung). Wir asservieren bis auf weiteres alle S.-suis-Isolate, so dass diese Ihnen für die Herstellung von stallspezifischen Impfstoffen, auch zu einem späteren Zeitpunkt, zur Verfügung stehen.